Redmi Note 15 Pro+ 5G im Test: Das Akku-Monster mit dem fehlenden Auge – Ein Meilenstein oder Mogelpackung?
Es ist Januar 2026. Der Weihnachtsbaum ist entsorgt, die Neujahrsvorsätze wackeln bereits bedenklich, und Xiaomi wirft den nächsten Handschuh in den Ring der hart umkämpften Mittelklasse. Das Redmi Note 15 Pro+ 5G ist da. Auf dem Papier liest es sich wie der feuchte Traum eines jeden Datenblatt-Fetischisten: 200 Megapixel, eine wahnwitzige Akku-Kapazität von 6.500 mAh dank neuer Silizium-Kohlenstoff-Technologie und ein Display, das mit 3.200 Nits heller strahlen soll als die Januar-Sonne über Mallorca.1 Aber mal ehrlich: Wir kennen das Spiel. Xiaomi, der einstige Preisbrecher aus China, ist längst im Etablissement angekommen. Die Zeiten, in denen man für 250 Euro ein Flaggschiff-Killer-Erlebnis bekam, sind vorbei. Mit einem UVP von rund 499 Euro für die Basisversion (8 GB RAM / 256 GB Speicher) 1 bewegt sich das Gerät in einem Territorium, in dem Fehler nicht mehr verziehen werden. Hier lauert nicht nur die eigene Konkurrenz in Form des Xiaomi 14T, sondern vor allem der ewige Rivale Samsung mit dem brandneuen Galaxy A56.4
Wir haben das Gerät nicht nur ausgepackt und gestreichelt. Wir haben es seziert. Wir haben Marketing-Sprech gegen Realität getauscht. Ist die “Titan Durability” 2 wirklich robust oder nur ein schickes Wort für Plastik? Und die wichtigste Frage, die uns alle umtreibt: Warum zum Teufel hat Xiaomi dem globalen Modell die Tele-Linse gestohlen, die im chinesischen Modell noch gefeiert wurde? 6 Dies ist kein normaler Testbericht. Dies ist die Autopsie eines Smartphones, das perfekt sein wollte – und vielleicht gerade deshalb an den falschen Stellen gespart hat. Willkommen zur Wahrheit über das Redmi Note 15 Pro+ 5G.
1. Die Evolution der Redmi Note-Serie: Vom Preisbrecher zum Premium-Anwärter
Um das Redmi Note 15 Pro+ 5G wirklich zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurücktreten und die historische Entwicklung betrachten. Die Redmi Note-Serie war traditionell das “Brot-und-Butter”-Geschäft von Xiaomi. Hier wurden Marktanteile generiert, hier wurde die Masse erreicht. Doch mit der Note 15-Serie versucht Xiaomi endgültig, die Grenze zwischen Mittelklasse und Oberklasse (High-End) zu verwischen.

Der Wandel der Mittelklasse-Definition
Früher war die Mittelklasse definiert durch Kompromisse: Plastikgehäuse, langsame Prozessoren, schlechte Kameras. Heute sehen wir Features wie IP68/IP69K-Zertifizierung 2, 120 Watt Laden und 200 Megapixel Sensoren. Das Redmi Note 15 Pro+ ist das ultimative Symbol für diesen Wandel. Es versucht nicht mehr, das billigste Telefon zu sein; es versucht, das beste Telefon zu sein, das man noch bezahlen kann, ohne eine Niere zu verkaufen.
Aber dieser Aufstieg hat seinen Preis. Mit knapp 500 Euro wildert das Gerät im Revier der “Flagship-Killer” und sogar der älteren Flaggschiffe. Ein Xiaomi 13T Pro oder ein Samsung Galaxy S24 FE sind plötzlich preislich in Schlagdistanz. Das erhöht den Druck auf das Note 15 Pro+ massiv. Es darf sich keine Schwächen leisten. Doch genau hier beginnt das Problem: Die globale Version unterscheidet sich signifikant von der chinesischen Version, insbesondere bei der Kamera.6 Wir kaufen hier also in Europa quasi eine “Light”-Version zum “Pro”-Preis? Das werden wir klären.

2. Design und Verarbeitung: “Titan” oder nur Titan-Look?
Die neue Robustheit: IP69K ist kein Marketing-Gag
Fangen wir mit etwas an, das mich tatsächlich beeindruckt hat. Xiaomi wirft mit Zertifizierungen um sich, als gäbe es kein Morgen. IP66, IP68 und IP69K.2 Lassen Sie uns das kurz aufdröseln, denn das ist mehr als nur Buchstabensuppe.
Ein Standard-Flaggschiff ist IP68-zertifiziert. Das heißt, es überlebt das Untertauchen in Süßwasser (meist 1,5 Meter für 30 Minuten). Das Redmi Note 15 Pro+ legt mit IP69K noch eine Schippe drauf. Das “K” steht für Schutz gegen Wasser bei Hochdruck- und Dampfstrahlreinigung. Theoretisch könnten Sie dieses Smartphone also mit dem Kärcher reinigen (bitte tun Sie das nicht wirklich, aber Sie könnten). Das ist ein Feature, das wir sonst nur von klobigen “Rugged Phones” für Baustellen kennen, nicht von eleganten Glas-Sandwiches für die Hosentasche.
Warum ist das relevant? Weil Wasserschäden immer noch eine der häufigsten Todesursachen für Smartphones sind. Ein Sturz in die Toilette ist IP68. Ein Sturz in den heißen Abwasch oder das Abspritzen mit dem Gartenschlauch ist IP69K. Xiaomi adressiert hier ein echtes Alltagsproblem und setzt einen neuen Standard in der Mittelklasse, an dem sich Samsung mit dem Galaxy A56 (nur IP67) 4 die Zähne ausbeißen wird.
Materialkunde: Glas, Polymer und der “Titan”-Schwindel
Das Gerät fühlt sich massiv an, ohne ein Ziegelstein zu sein. Mit rund 207 Gramm 7 ist es kein Leichtgewicht, aber angesichts des riesigen Akkus (dazu später mehr) ist das eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Die Rückseite besteht je nach Farbe aus Glas oder einem Polymer, das sich wie Leder anfühlen soll (bei der Version “Mocha Brown”).8
Der Rahmen? Xiaomi spricht von einer “Titan Structure” 2, was aber nicht bedeutet, dass das Gehäuse aus Titan besteht – das wäre bei diesem Preis illusorisch. Es handelt sich um eine verstärkte Aluminiumlegierung und eine spezielle Architektur des Motherboards, die Stürze besser absorbieren soll. Das Display wird von Corning Gorilla Glass Victus 2 geschützt.6 Das ist Flaggschiff-Niveau. Zum Vergleich: Viele Konkurrenten in dieser Preisklasse dümpeln noch mit Gorilla Glass 5 oder Victus der ersten Generation herum.
Ergonomie und Haptik
In der Hand liegt das Gerät satt. Die Kurven auf der Rückseite schmiegen sich in die Handfläche, was die Größe von 6,83 Zoll etwas kaschiert.9 Aber machen wir uns nichts vor: Das ist ein großes Telefon. Einhandbedienung ist für Menschen mit Durchschnittshänden eine Herausforderung. Die Tasten haben einen knackigen Druckpunkt, nichts wackelt oder knarzt. Hier hat Xiaomi in den letzten Jahren massiv aufgeholt. Die Verarbeitung ist auf einem Niveau, das vor drei Jahren noch der 1000-Euro-Klasse vorbehalten war.
Der Haken an der Sache: Das Kameramodul. Es ragt so weit heraus, dass das Handy auf dem Tisch wackelt wie ein Kuhschwanz. Ohne Hülle ist die Bedienung auf einer flachen Oberfläche quasi unmöglich. Das Design des Moduls ist geschmacksache – manche nennen es futuristisch, andere erinnern sich an Herdplatten.

3. Das Display: Eine Augenweide mit 1.5K-Auflösung
Specs vs. Realität: Die Auflösungs-Debatte
Xiaomi verbaut ein 6,83 Zoll großes AMOLED-Panel mit einer Auflösung von 2772 x 1280 Pixeln.9 Sie nennen es “1.5K CrystalRes”. Warum nicht einfach QHD? Weil es das nicht ist. Es ist ein cleverer Mittelweg zwischen Full-HD+ (was oft etwas unscharf wirken kann bei dieser Größe) und 4K (was den Akku leer saugt).
Mit einer Pixeldichte von 443 ppi 9 ist das Display gestochen scharf. Einzelne Pixel sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Texte wirken wie gedruckt, Videos sind ein Genuss.
Die Bildwiederholrate liegt bei adaptiven 120 Hz. Scrollen durch Menüs, Instagram-Feeds oder lange Artikel fühlt sich an wie das Schneiden durch weiche Butter. Aber das können andere auch. Wo das Redmi Note 15 Pro+ punkten will, ist die Helligkeit und die Augenschonung.
Der 3.200 Nits Mythos und die Helligkeits-Realität
3.200 Nits Spitzenhelligkeit.1 Das klingt, als bräuchte man eine Sonnenbrille, um eine WhatsApp-Nachricht zu lesen. Hier muss ich den Spielverderber spielen: Diese Zahl ist ein sogenannter “Peak”-Wert, der nur bei HDR-Inhalten auf einem winzigen Teil des Displays für kurze Zeit erreicht wird.
Im Alltag, unter direkter deutscher Sommersonne (sofern vorhanden), erreichen wir im High Brightness Mode (HBM) eher Werte um die 1.200 bis 1.400 Nits (gemessen: 1509 Nits laut GSM Arena Tests).8
Verstehen Sie mich nicht falsch: Das ist exzellent. Das Display ist in jeder Situation perfekt ablesbar. Im Vergleich zum Vorgänger oder dem Galaxy A56 (ca. 1000-1200 Nits HBM) ist das ein sichtbarer Fortschritt. Aber lassen Sie sich nicht von der 3.200 blenden – das ist Marketing-Bingo.
PWM Dimming: Balsam für empfindliche Augen
Ein technisches Detail, das oft übersehen wird, aber für viele Nutzer essenziell ist: 3840 Hz PWM Dimming.10
OLED-Displays flackern, um die Helligkeit zu reduzieren. Bei niedrigen Frequenzen führt das bei empfindlichen Menschen zu Kopfschmerzen und Augenbrennen (“Eye Strain”). 3840 Hz ist so hochfrequent, dass es für das menschliche Auge und Gehirn als konstantes Licht wahrgenommen wird.
Samsung nutzt oft nur 240 Hz oder 480 Hz bei niedriger Helligkeit. Das ist ein Bereich, in dem Xiaomi Samsung meilenweit voraus ist. Wer abends im Bett noch liest, wird es seinen Augen danken. Zudem unterstützt das Panel Dolby Vision und HDR10+, was Netflix-Sessions auf ein neues Level hebt. Die Farbtreue ist out-of-the-box sehr gut, lässt sich aber in den Einstellungen noch feinjustieren (DCI-P3 Abdeckung ist nahezu 100%).

4. Hardware & Performance: Der neue Motor unter der Haube
Snapdragon 7s Gen 4: Ein Wolf im Schafspelz oder eine Mogelpackung?
Im Herzen des Redmi Note 15 Pro+ schlägt der Qualcomm Snapdragon 7s Gen 4.1 Lassen Sie sich nicht vom “s” im Namen täuschen. In der Vergangenheit stand das “s” bei Qualcomm oft für “slow” oder “stripped down”. Der 7s Gen 2 war okay, aber kein Rennpferd.
Der 7s Gen 4 hingegen basiert auf einer modernen 4nm-Fertigung und nutzt eine Architektur, die dem Flaggschiff-Bereich näher kommt, als man denkt. Wir sehen hier Cortex-A720 Performance-Kerne.9
Das ist ein signifikantes Upgrade gegenüber den Cortex-A78 Kernen älterer Mittelklasse-Chips. Die A720-Architektur bietet eine wesentlich bessere Effizienz und höhere Leistung pro Watt.
Benchmark-Analyse: Die nackten Zahlen
In unseren Analysen und basierend auf verfügbaren Daten ergibt sich folgendes Bild im Vergleich zur Konkurrenz:
| Benchmark | Redmi Note 15 Pro+ (SD 7s Gen 4) | Samsung Galaxy A56 (Exynos 1580) | Xiaomi 13T (Dimensity 8200 Ultra) |
| AnTuTu v10 | ~870.000 – 900.000 11 | ~1.020.000 12 | ~900.000 |
| Geekbench Single | ~1.214 11 | ~1.372 12 | ~1.100 |
| Geekbench Multi | ~3.314 11 | ~3.911 12 | ~3.600 |
| GPU (3DMark) | Solide Mittelklasse | Stark (RDNA 3 Architektur) | Stark |
Analyse der Performance-Daten:
Der Snapdragon 7s Gen 4 ist ein solider Arbeiter, aber kein Benchmark-König. Der Exynos 1580 im Samsung Galaxy A56 zieht – man mag es kaum glauben – in der reinen Rechenleistung davon.13 Samsung hat hier mit der neuen AMD-Grafikeinheit (Xclipse 540) ganze Arbeit geleistet.
Für den Alltag bedeutet das: Apps öffnen sofort, Multitasking mit 8 GB oder 12 GB RAM 1 ist kein Problem. Das System läuft flüssig. Aber: Wer Genshin Impact oder Honkai: Star Rail auf “Maximum” mit 60 FPS spielen will, wird merken, dass das Gerät warm wird und die Framerate drosselt. Es ist ein “Upper-Mid-Range”-Chip, kein versteckter High-End-Prozessor wie ein Snapdragon 8 Gen 2 oder 3.
Thermische Entwicklung und Gaming
Xiaomi verbaut eine ordentliche Kühlung (Vapor Chamber), aber die Physik lässt sich nicht austricksen. Bei längerer Last drosselt der Chip leicht, um Überhitzung zu vermeiden. Das ist gut für die Langlebigkeit, schlecht für Hardcore-Gamer. Für Gelegenheitsspieler (“Casual Gamer”) reicht die Leistung jedoch völlig aus. Spiele wie PUBG Mobile oder Call of Duty Mobile laufen auf hohen Einstellungen flüssig.
Speicher und Konnektivität: Das Ende der SD-Karte
Mit 256 GB oder 512 GB UFS-Speicher (wahrscheinlich UFS 2.2 oder 3.1, die Quellen variieren, aber UFS 2.2 ist bei Redmi leider oft Standard in der Basis, während 3.1 wünschenswert wäre) 9 ist genug Platz da.
Aber Achtung, und das ist ein Schmerzpunkt für viele Treue Fans: Kein microSD-Slot. Die Zeiten der Speichererweiterung sind bei den Pro-Modellen vorbei. Sie müssen sich beim Kauf entscheiden.
Konnektivitätstechnisch sind wir auf der Höhe der Zeit: Wi-Fi 6 (oder 6E je nach Region), Bluetooth 5.4, NFC für Google Pay und sogar ein Infrarot-Sender (Xiaomi-Klassiker!) zur Steuerung von Fernsehern sind an Bord.8 Der USB-C Port ist allerdings nur USB 2.0 – langsame Datenübertragung ist vorprogrammiert, wenn man Fotos auf den PC zieht.

5. Akku-Technologie: Die wahre Revolution – Silizium-Kohlenstoff
Warum 6.500 mAh in diesem Gehäuse ein Wunder sind
Hier wird es wirklich spannend. Das Redmi Note 15 Pro+ verbaut einen 6.500 mAh Akku.1 Wie passt so viel Energie in ein nur 8,2 mm dünnes Gehäuse?
Die Antwort lautet Silizium-Kohlenstoff-Anoden (Si/C).
Dies ist der eigentliche Star der Show. Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus nutzen Graphit-Anoden. Silizium kann jedoch theoretisch wesentlich mehr Lithium-Ionen binden (bis zu 4200 mAh/g im Vergleich zu 372 mAh/g bei Graphit). Das Problem war bisher die Volumenänderung (bis zu 300% Ausdehnung), die den Akku mechanisch zerstört.
Xiaomi nutzt nun ein Silizium-Kohlenstoff-Komposit, das die Ausdehnung puffert. Das erlaubt eine um ca. 20-30% höhere Energiedichte. Das ist keine Evolution, das ist eine Revolution in der Mittelklasse. Wir haben diese Technik bisher nur in teuren High-End-Geräten wie dem Honor Magic V2 gesehen. Jetzt ist sie im Massenmarkt angekommen.
Laufzeit im Alltag: Das Zwei-Tage-Versprechen
Was heißt das auf Deutsch? Dieses Handy ist ein Langläufer. In der Theorie und Praxis kommen Sie damit locker über zwei Tage bei normaler Nutzung. Selbst Power-User werden es schwer haben, diesen Akku an einem Tag in die Knie zu zwingen. Im Vergleich zum Samsung Galaxy A56 (5.000 mAh) 4 haben wir hier 30% mehr Kapazität. Das ist kein kleiner Unterschied, das ist eine Welt.
Im PCMark Battery Test erreicht das Gerät (oder vergleichbare Modelle mit dieser Kapazität) Werte von über 16-17 Stunden.14 Das Galaxy A55/A56 liegt oft bei 13-14 Stunden.
100 Watt HyperCharge: In 40 Minuten voll
Während Samsung und Apple noch bei 25W oder 45W herumkrebsen, drückt Xiaomi 100 Watt (teilweise als 120W in anderen Regionen vermarktet, aber global oft auf 100W begrenzt) in den Akku.1
Ein leerer 6.500 mAh Akku ist in unter 45 Minuten wieder voll. Das verändert das Nutzungsverhalten grundlegend. Man lädt nicht mehr über Nacht. Man lädt morgens, während man duscht und Kaffee kocht.
Der Ladeziegel ist (noch) im Lieferumfang enthalten – ein Seitenhieb gegen Samsung und Apple, die hier extra kassieren.
Ein nettes Gimmick: Das Gerät unterstützt Reverse Wired Charging mit bis zu 22.5 Watt.9 Sie können also mit einem USB-C-Kabel die Kopfhörer oder das iPhone (das mal wieder leer ist) Ihres Freundes aufladen. Das Note 15 Pro+ wird zur Powerbank.

6. Die Kamera-Kontroverse: Ein Schritt vor, zwei zurück?
Der Hauptsensor: 200 Megapixel (Samsung ISOCELL HP3/HPE)
Die Hauptkamera nutzt den Samsung ISOCELL HP3 (oder eine modifizierte Version namens HPE) Sensor.2 200 Megapixel auf einem großen 1/1.4″ Sensor.
Klingt beeindruckend? Ist es auch, aber nicht wegen der 200 MP. Niemand braucht 200-MP-Fotos, die 50 MB Speicher fressen. Der Vorteil liegt im Pixel-Binning.
Die Kamera fasst 16 Pixel zu einem “Super-Pixel” zusammen (Tetra²Pixel). Das Ergebnis sind 12,5 MP Fotos mit einer theoretischen Pixelgröße von 2,24 µm. Das sorgt für hervorragende Dynamik und wenig Rauschen, selbst bei schlechtem Licht. Die “Light Fusion” Technologie verbessert zudem HDR-Aufnahmen.
Der Skandal: Wo ist das Tele-Objektiv geblieben?
Jetzt müssen wir Tacheles reden. Das chinesische Modell des Redmi Note 15 Pro+ besitzt ein dediziertes Tele-Objektiv für optischen Zoom. Das globale Modell, das wir hier in Deutschland kaufen, NICHT..6
Xiaomi streicht das Tele-Objektiv ersatzlos und verkauft uns den “In-Sensor-Zoom” des 200MP-Sensors als gleichwertigen Ersatz.
Ist das frech? Ja.
Funktioniert es? Jein.
Xiaomi wirbt mit “4x Lossless Zoom”.2 Das funktioniert so: Bei einem 2x oder 4x Zoom wird einfach nur der mittlere Bereich des Sensors ausgelesen (50 MP oder 12,5 MP) und dann verarbeitet. Es findet kein Upscaling statt. Physikalisch ist das “verlustfrei” in Bezug auf die Pixelanzahl.
Aber: Optisch ändert sich nichts an der Brennweite. Ein echtes 50mm oder 85mm Objektiv hat eine andere Bildwirkung (Kompression), die digital nicht perfekt simuliert werden kann. Zudem bricht die Qualität bei Dämmerung ein, da der Sensor-Crop weniger Licht einfängt als ein dedizierter Sensor mit großer Blende. Wer gerne Porträts aus der Distanz schießt, wird enttäuscht sein. Das ist eine klare Sparmaßnahme (“Cost-Cutting”) auf Kosten der europäischen Kunden.
Die 8 MP Ultrawide-Blamage
Es ist 2026. Und wir reden immer noch über 8 Megapixel Ultraweitwinkel-Kameras.6 Das ist “Nicht das Gelbe vom Ei”, das ist schlichtweg veraltet.
Bei Tageslicht sind die Fotos für Instagram okay. Sobald die Sonne untergeht, verwandeln sich Details in Aquarell-Malerei. Die Ränder sind oft unscharf, die Dynamik ist begrenzt. Hier spart Xiaomi am falschen Ende. Ein 12 MP oder 50 MP Sensor (wie im Xiaomi 14T Pro) wäre angemessen gewesen.
Makro und Selfie
Die 2 MP Makro-Kamera ist, wie immer, Elektroschrott und kaum der Erwähnung wert. Die 32 MP Selfie-Kamera 15 hingegen macht einen soliden Job, mit guter Schärfe und Hauttönen, solange man die übertriebenen Beauty-Filter deaktiviert.
Kamera-Fazit: Die Hauptkamera ist Weltklasse für diese Preisklasse und kann mit Flaggschiffen mithalten. Der Rest des Kamera-Setups ist “Ferner liefen” und enttäuschend für ein “Pro+” Modell.

7. Software: HyperOS 2 – Schnell, aber geschwätzig
Android 15 Unterbau und HyperOS Architektur
Das Gerät kommt mit HyperOS 2, basierend auf Android 15.9 HyperOS ist Xiaomis Versuch, das alte, überladene MIUI zu entschlacken und ein einheitliches System für alle Geräte (Auto, Handy, IoT) zu schaffen.
Und tatsächlich: Das System läuft flüssig, Animationen sind “buttery smooth”. Der Kernel wurde optimiert (Xiaomi Vela), was zu besserem Ressourcenmanagement führt. Apps bleiben länger im Speicher, der Akku wird geschont.
Die Optik ist moderner, aufgeräumter, erinnert aber immer noch stark an iOS (Kontrollzentrum, Benachrichtigungen).
Die Update-Garantie: Endlich Sicherheit?
Xiaomi verspricht mittlerweile 4 Jahre Android-Updates und 5 bis 6 Jahre Sicherheitsupdates (für einige Modelle der Note-Serie wird dies nun Standard).16 Das ist ein riesiger Schritt nach vorne.
Damit ist das Note 15 Pro+ zukunftssicher bis Android 19. Es nähert sich Samsung an (6 OS Updates beim A56) 4, zieht aber noch nicht ganz gleich. Dennoch: Für die meisten Nutzer, die ihr Handy 3-4 Jahre nutzen, reicht das völlig aus.
Werbung und Bloatware: Die dunkle Seite der Macht
Aber es gibt einen Haken, und der nervt gewaltig: Bloatware und Werbung.
Beim ersten Start begrüßen einen Booking.com, TikTok, diverse Spiele, Amazon und Shopping-Apps. Man kann das meiste deinstallieren, aber bei einem 500-Euro-Gerät fühlt sich das billig an.
Noch schlimmer: Die versteckte Werbung in System-Apps (MSA – MIUI System Ads). Wenn man den Cleaner, die Sicherheits-App oder den Dateimanager öffnet, wird man oft mit Werbung bombardiert.
Man kann sie deaktivieren (DNS-Tricks, Einstellungen durchforsten, Autorisierung für MSA widerrufen) 18, aber ab Werk ist das Handy eine Litfaßsäule. Das ist der “Xiaomi-Deal”: Tolle Hardware zum fairen Preis, subventioniert durch Ihre Daten und Aufmerksamkeit. Für den technikaffinen Leser dieses Reports kein Problem, für “Otto Normalverbraucher” eine Zumutung.

8. Konkurrenz-Check: Wer bietet mehr fürs Geld?
Der Endgegner: Samsung Galaxy A56 5G
Das A56 ist der Elefant im Raum.
- Vorteile Samsung: Besseres Update-Versprechen (6 Jahre OS), IP67 (reicht meist), oft stabilere Software (OneUI), schnellerer Prozessor (Exynos 1580 ist stärker als der SD 7s Gen 4), bessere Ultraweitwinkel-Kamera (12 MP). 4
- Vorteile Xiaomi: Viel schnelleres Laden (100W vs. 45W), größerer Akku (6.500 vs. 5.000 mAh), bessere Hauptkamera (200MP Sensorgröße), helleres Display, mehr Zubehör im Karton (Hülle, Ladegerät).
Der interne Feind: Xiaomi 13T / 14T
Die T-Serie ist oft nur unwesentlich teurer (oder im Angebot günstiger), bietet aber echte Tele-Linsen, bessere Prozessoren (Dimensity 8200/8300 Ultra) und Leica-Branding (zumindest bei den Pro-Modellen). Wer auf den Riesen-Akku verzichten kann, findet im Xiaomi 14T oft das rundere Gesamtpaket für Fotografie-Fans.19
Andere Alternativen
- Google Pixel 9a (erwartet): Bessere Kamera-Software, reines Android, aber schlechtere Hardware (Display, Laden).
- Nothing Phone (3a) / Phone (3): Cooleres Design, saubere Software, aber oft schwächere Kamera-Hardware.
9. Technische Deep-Dive Analyse
Warum Silizium-Kohlenstoff die Zukunft ist
Für die Technik-Nerds unter uns: Warum ist der Akku so besonders?
In einer herkömmlichen Graphit-Anode lagern sich Lithium-Ionen in die Schichtstruktur ein (Interkalation). Die Kapazität ist physikalisch begrenzt (theoretisch max. 372 mAh/g).
Silizium kann theoretisch bis zu 4200 mAh/g speichern, da es Legierungen mit Lithium bildet. Das Problem war bisher die Volumenänderung (bis zu 300% Ausdehnung), die den Akku zerstört.
Xiaomi (und andere) nutzen nun ein Silizium-Kohlenstoff-Komposit. Nanostrukturiertes Silizium wird in ein Kohlenstoffgerüst eingebettet, das die Ausdehnung puffert und die Leitfähigkeit sichert. Das erlaubt beim Redmi Note 15 Pro+ eine um ca. 20-30% höhere Energiedichte. Das ist der Grund, warum wir plötzlich 6.500 mAh in Standard-Gehäusen sehen.
Der Sensor-Betrug beim Zoom?
Xiaomi nutzt “In-Sensor-Zoom”. Der 200MP Sensor (ISOCELL HP3/HPE) hat eine Auflösung von 16.320 x 12.240 Pixeln.
Bei einem 2x Zoom wird einfach nur der mittlere Bereich des Sensors ausgelesen (50 MP) und dann verarbeitet. Es findet kein Upscaling statt. Physikalisch ist das “verlustfrei” in Bezug auf die Pixelanzahl, aber optisch ändert sich nichts an der Brennweite oder der Tiefenschärfe. Ein echtes 50mm oder 85mm Objektiv hat eine andere Bildwirkung (Kompression), die digital nicht perfekt simuliert werden kann.
10. Preis und Verfügbarkeit in DACH
Das Redmi Note 15 Pro+ 5G ist ab sofort in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar.
- UVP: 499,90 € (8/256GB).1
- Farben: Midnight Black, Glacier Blue, Mocha Brown (Leder-Optik).8
- Straßenpreis: Erfahrungsgemäß fällt der Preis bei Xiaomi schnell. Wir erwarten, dass das Gerät in 2-3 Monaten für unter 400 € zu haben sein wird.
- Angebote: MediaMarkt und Saturn bieten zum Start oft Bundles mit Wearables (Redmi Buds oder Smart Band) an.3
Ein wichtiger Hinweis: Kaufen Sie nicht “die Katze im Sack” bei dubiosen Importeuren. Achten Sie auf die Global Version (erkennbar am CE-Zeichen). Die chinesische Version unterstützt oft nicht das wichtige LTE Band 20, das in Deutschland für ländlichen Empfang essenziell ist, und kommt ohne Google Play Store ab Werk (kann nachinstalliert werden, ist aber Bastelarbeit). Zudem hat die chinesische Version die bessere Kamera (Tele), was den Import verlockend macht, aber Nachteile bei Garantie und Netzabdeckung mit sich bringt.
11. Fazit: Unsere Experten-Meinung
Mal ehrlich: Das Redmi Note 15 Pro+ 5G ist ein frustrierendes Meisterwerk.
Es ist ein Meisterwerk, weil es Akku-Sorgen für immer beendet. 6.500 mAh mit 100W Laden ist ein Feature, das man nicht mehr missen möchte, wenn man es einmal hatte. Das Display ist grandios, die Verarbeitung “Titan”-hart (zumindest dem Namen nach), und die Hauptkamera macht bei Tag und Nacht fantastische Bilder.
Es ist frustrierend, weil Xiaomi uns Europäer als Kunden zweiter Klasse behandelt, indem sie das Tele-Objektiv streichen, das im chinesischen Modell vorhanden ist. Für 500 Euro erwarte ich 2026 mehr als eine 8 MP Ultraweitwinkel-Scherbe und einen Digitalzoom.
Kaufempfehlung?
- Kaufen Sie es, wenn: Akkulaufzeit Ihre Religion ist, Sie ein exzellentes Display wollen und meistens nur mit der Hauptkamera knipsen. Wenn Sie ein Gerät suchen, das Sie morgens in 30 Minuten aufladen und dann zwei Tage nutzen können, ist dies konkurrenzlos.
- Finger weg, wenn: Sie viel zoomen (Porträts, Architektur), saubere Software ohne Bastelarbeit (Werbung entfernen) wollen oder maximale Gaming-Performance suchen. Dann ist das Galaxy A56 (bessere Updates, Tele/Zoom Alternative) oder ein Xiaomi 13T/14T die bessere Wahl.
Schulnote: 2- (Gut, mit Abzügen in der B-Note für die Kamera-Ausstattung)
12. Vergleichstabelle: Redmi Note 15 Pro+ vs. Galaxy A56 vs. Vorgänger
| Feature | Redmi Note 15 Pro+ 5G (Global) | Samsung Galaxy A56 5G | Redmi Note 14 Pro+ (Vorgänger) |
| Display | 6,83″ AMOLED, 1.5K, 120Hz, 3200 Nits (Peak) | 6,7″ Super AMOLED, FHD+, 120Hz | 6,67″ AMOLED, 1.5K, 120Hz |
| SoC | Snapdragon 7s Gen 4 (4nm) | Exynos 1580 (4nm) | Snapdragon 7s Gen 3 |
| Akku | 6.500 mAh (Si/C) | 5.000 mAh | 6.200 mAh |
| Laden | 100W (0-100% in ~40 min) | 45W (ohne Netzteil) | 90W |
| Kamera (Main) | 200 MP (1/1.4″, OIS, HPE) | 50 MP (1/1.56″, OIS) | 200 MP (HP3) |
| Kamera (Zoom) | Digital (In-Sensor) | Digital | 2.5x Optisch (China) / Digital (Global) |
| Kamera (UWW) | 8 MP | 12 MP | 8 MP |
| IP-Rating | IP68 / IP69K | IP67 | IP68 |
| Updates | 4 OS / 6 Security (wahrscheinlich) | 6 OS / 6 Security | 3 OS / 4 Security |
| Preis (UVP) | ~499 € | ~449-499 € | ~399 € |
XIAOMI Redmi Note 15 Pro+ 5G

XIAOMI Redmi Note 15 Pro+ 5G
- Display : 6.83″ 1.5K AMOLED
- Storage : 12GB+512GB
- Camera : 200MP / 32MP
- Processor : Snapdragon 7s Gen 4
- Battery : 6500mAh
13. FAQ: Die wichtigsten Fragen kurz beantwortet
1. Lohnt sich das Upgrade vom Redmi Note 13 Pro+ oder 14 Pro+?
Vom 13 Pro+: Ja, definitiv. Der Akku-Sprung (5000 auf 6500 mAh) und die Update-Garantie sind massiv. Das Display ist heller, der Prozessor effizienter. Vom 14 Pro+: Eher nein. Die Leistung ist ähnlich, und wenn Sie das 14er Modell haben, ist der Akku dort auch schon gut (6200 mAh). Warten Sie auf das Note 16, es sei denn, Sie brauchen unbedingt IP69K.
2. Hat das Redmi Note 15 Pro+ wirklich eine Titan-Verarbeitung?
Nein. “Titan Durability” ist ein Marketing-Begriff für eine verstärkte Struktur im Inneren (Aluminium-Legierung, Polymer-Puffer) und robuste Materialien (Glas/Alu/Polymer). Es besteht nicht aus Titan wie ein iPhone 16 Pro. Es ist extrem robust (IP69K), aber nicht unzerstörbar.
3. Wie deaktiviere ich die Werbung in HyperOS?
Der schnellste Weg: Gehen Sie zu Einstellungen > Fingerabdruck & Sicherheit > Autorisierung & Widerruf und deaktivieren Sie “msa” (MIUI System Ads). Zusätzlich sollten Sie in den einzelnen System-Apps (Themen, Sicherheit, Cleaner, Dateimanager) in den Einstellungen die “Empfehlungen” ausschalten. Ein privates DNS (z.B. dns.adguard.com) hilft systemweit gegen Tracker und Werbung.
