RedMagic 11 Air im Härtetest: Der 7000-mAh-Angriff auf die Physik – Genius oder thermischer Wahnsinn?
Gamer kennen das Problem: Wer Leistung will, muss schleppen. Jahrelang war die Gleichung simpel und brutal: Ein Gaming-Smartphone ist ein Ziegelstein. Es wiegt so viel wie ein kleiner Hantelsatz, beult die Hosentasche aus wie ein Diebesgut und sieht dabei meistens aus wie ein Requisit aus einem schlechten Sci-Fi-Film der 90er Jahre. Wir haben uns daran gewöhnt. Wir haben die 240 Gramm akzeptiert, weil wir die Frames brauchten. Wir haben die Dicke von über 10 Millimetern hingenommen, weil wir die Kühlung wollten. Doch nun kommt Nubia mit dem RedMagic 11 Air um die Ecke und behauptet dreist, die Gesetze der Physik außer Kraft gesetzt zu haben.
Ein Snapdragon 8 Elite. Ein gigantischer 7000 mAh Akku. Ein aktiver Lüfter. Und das alles gequetscht in ein Gehäuse, das mit 7,85 Millimetern dünner ist als so manches biedere Business-Phone? Das klingt zu schön, um wahr zu sein. Das klingt nach Marketing-Geschwurbel, nach “Wir lassen einfach das Kühlmaterial weg und hoffen, dass sich niemand die Finger verbrennt”. Als Veteran der Tech-Szene, der schon viele “Revolutionen” im Labor sterben sah, war meine Skepsis beim Unboxing gigantisch. Ist das der Heilige Gral, auf den wir gewartet haben? Oder schmilzt uns das Ding in der Hand weg, sobald wir Genshin Impact auch nur schief anschauen?
Wir haben das RedMagic 11 Air nicht nur getestet. Wir haben es gequält. Wir haben es als Daily Driver genutzt, es durch synthetische Benchmarks gejagt, bis der Lüfter um Gnade winselte, und es mit der etablierten Konkurrenz verglichen. Dies ist kein oberflächliches Hands-On. Dies ist die Autopsie eines Versprechens. Ist das RedMagic 11 Air der neue Preis-Leistungs-König für 499 Euro, oder kauft man hier die Katze im Sack? Schnallen Sie sich an. Es wird technisch, es wird kritisch, und es wird laut.
1. Die Identitätskrise der Gaming-Phones: Ein historischer Abriss
Um zu verstehen, warum das RedMagic 11 Air so eine große Sache ist – oder sein will –, müssen wir einen kurzen Blick in den Rückspiegel werfen. Erinnern Sie sich an das erste ASUS ROG Phone? Oder das erste Black Shark? Das waren Monster. Sie mussten es sein. Mobile Prozessoren waren Hitzköpfe, die Akkus ineffizient, und um eine dauerhafte Leistung zu gewährleisten, brauchte man Kupfer, Heatpipes und Volumen.
Jahrelang galt in der Industrie das Dogma: Dicke = Leistung. Wer ein dünnes Handy baute, musste drosseln. Throttling war das Schreckgespenst. Nach zehn Minuten PUBG Mobile dimmte das Display, die Framerate brach ein, und das Spielgefühl war dahin. Die Hersteller reagierten mit immer absurderen Kühlkonstruktionen. Externe Lüfter zum Aufstecken, interne Lüfter, Vapor Chambers so groß wie Kreditkarten. Das Ergebnis waren Geräte wie das RedMagic 9 Pro oder das ROG Phone 8 Pro: Fantastische Maschinen, aber im Alltag oft eine Belastung. Wer will schon beim Geschäftsessen ein Telefon auf den Tisch legen, das aussieht wie ein Transformer kurz vor der Verwandlung?
Hier setzt das “Air”-Konzept an. Es ist der Versuch, die eierlegende Wollmilchsau zu züchten. Die Leistung eines Panzers im Kleid eines Sportwagens. Nubia ist nicht der erste Hersteller, der das versucht, aber mit den neuen Silizium-Kohlenstoff-Akkus und den effizienteren 3nm-Chips von Qualcomm scheinen die Karten neu gemischt zu sein. Das RedMagic 11 Air ist nicht einfach nur ein “Lite”-Modell. Es ist eine Kampfansage an die These, dass Gaming-Hardware klobig sein muss.

2. Design & Verarbeitung: Eine Diät, die funktioniert (meistens)
Das Erste, was auffällt, wenn man das RedMagic 11 Air aus der Box nimmt: Es fehlt etwas. Nämlich das Gewicht. Mit 207 Gramm ist es zwar kein Fliegengewicht im Vergleich zu einem iPhone 16 (ohne Pro), aber im direkten Schlagabtausch mit dem großen Bruder, dem RedMagic 11 Pro (229g) oder gar dem ROG Phone 9 Pro (227g), wirkt es fast zerbrechlich. Man nimmt es in die Hand und das Muskelgedächtnis, trainiert auf schwere Gaming-Boliden, ist irritiert. “Wo ist der Rest?”, fragt man sich unweigerlich.
2.1 Materialwahl: Glas, Metall und der Mut zur Transparenz
Der Rahmen besteht aus einer Aluminiumlegierung, die sich kühl und wertig anfühlt. Das ist Standard in der Oberklasse, aber bei Gaming-Phones oft keine Selbstverständlichkeit, da Plastik manchmal wegen der besseren Hitzedurchlässigkeit (oder Kostenersparnis) bevorzugt wird. Hier jedoch: Solides Metall.
Die Rückseite? Glas. Und zwar nicht irgendeins, sondern Gorilla Glass 5, während die Front vom neueren Gorilla Glass 7i geschützt wird. Nubia bietet zwei Varianten an: “Phantom” (Transparentes Schwarz) und “Prism” (Transparentes Weiß/Silber). Unser Testgerät in “Phantom” offenbart den Blick auf simulierte Platinen. Ja, simulierte. Lassen Sie uns ehrlich sein: Die meisten “transparenten” Handys zeigen uns nicht das echte Mainboard, sondern eine hübsche Plastikabdeckung darunter, die so aussieht, als ob. Aber beim RedMagic 11 Air sieht man zumindest den echten, drehenden Lüfter und einige Schrauben. Es ist diese “Gamer-Ästhetik”, die man entweder liebt oder hasst. Sie schreit “Technik!”, ohne dabei so peinlich zu wirken wie die RGB-Discos vergangener Jahre.
2.2 Der Formfaktor: 7,85 Millimeter gegen die Hitze
Die Dicke von 7,85 mm ist das zentrale Verkaufsargument. Zum Vergleich: Ein Samsung Galaxy S24 Ultra ist 8,6 mm dick. Ein iPhone 16 Pro Max liegt bei 8,25 mm. Dass Nubia hier einen aktiven Lüfter und einen 7000 mAh Akku unterbringt, grenzt an Hexerei.
Aber es gibt einen Preis für diese Schlankheit. Die Kameras. Beim RedMagic 11 Pro waren die Kameras noch komplett flach im Gehäuse versenkt – ein Designmerkmal, das ich geliebt habe. Kein Wackeln auf dem Tisch, pure Eleganz. Beim Air? Kamerabuckel. Die Module ragen heraus. Das ist physikalisch unvermeidbar, wenn das restliche Gehäuse so dünn wird, aber es nimmt dem Gerät etwas von diesem monolithischen “Ein-Stück-Zukunft”-Gefühl, das das Pro-Modell vermittelt.
2.3 Der Lüfter: Ein Sturm im Wasserglas?
Der Lüfter sitzt nicht mehr zentral, sondern ist wie eine dritte Kameralinse angeordnet. Er saugt Luft an und bläst sie über die internen Komponenten. Der Clou: Das Gerät ist IP54 zertifiziert. Das heißt, Staub und Spritzwasser sind kein Todesurteil mehr für Lüfter-Smartphones. Ein riesiger Schritt nach vorn für die Alltagstauglichkeit. Frühere Modelle waren Staubmagneten, die nach sechs Monaten klangen wie ein startender Hubschrauber mit Lagerschaden. Die IP54-Zertifizierung gibt zumindest die psychologische Sicherheit, dass ein Regenschauer das 500-Euro-Investment nicht sofort in Elektroschrott verwandelt.
2.4 Ergonomie: Die Schultertasten
Die berühmten Schultertasten sind ebenfalls an Bord. 520 Hz Abtastrate. Wer einmal Call of Duty Mobile oder PUBG mit physischen Triggern gespielt hat, will nie wieder auf dem Glas herumtatschen. Sie sind taktil, reagieren sofort und geben diesen unfairen Vorteil, für den man im Crossplay gehasst wird. Nubia hat die Positionierung leicht angepasst, um dem dünneren Rahmen Rechnung zu tragen. Sie sitzen perfekt für meine durchschnittlich großen Hände. Der Druckpunkt ist knackig, kein schwammiges Feedback. Man spürt: Hier wurde für Gamer entwickelt, nicht für Designer.

3. Das Display: 144 Hz und das “Loch” ist weg – oder doch nicht?
Hier spielt Nubia seine stärkste Karte aus. Wir schauen auf ein 6,85 Zoll großes AMOLED-Panel ohne Notch, ohne Punch-Hole, ohne Dynamic Island. Nichts. Die Frontkamera sitzt unter dem Display (UDC – Under Display Camera). Es ist die sechste oder siebte Generation dieser Technologie bei Nubia (wer zählt da noch mit?), und sie ist mittlerweile verdammt gut.
3.1 Die technischen Daten im Detail
- Auflösung: 2688 x 1216 Pixel (1.5K). Das ergibt knackscharfe 431 ppi. Full HD+ wäre bei dieser Größe grenzwertig, 4K pure Energieverschwendung. 1.5K ist der Sweetspot.
- Bildwiederholrate: 144 Hz. Das Pro-Modell bietet teilweise 165 Hz, aber mal ehrlich: Der Unterschied zwischen 144 Hz und 165 Hz ist für das menschliche Auge kaum wahrnehmbar. Wichtiger ist, dass die 144 Hz konstant gehalten werden.
- Helligkeit: 1800 Nits Peak. Das ist hell. Sehr hell. Aber Vorsicht: “Peak” bedeutet oft nur ein paar Pixel bei HDR-Content. Im manuellen Modus erreichen wir eher solide 600-800 Nits, im High-Brightness-Mode unter Sonnenlicht boostet es kurzzeitig höher. Es reicht aus, um auch im deutschen Sommer draußen zu zocken, aber es brennt einem nicht die Netzhaut weg wie manche 4000-Nits-Monster der Konkurrenz.
- Touch Sampling Rate: 960 Hz im Durchschnitt, bis zu 2500 Hz instantan. Das bedeutet, das Display registriert Ihre Eingabe, bevor Sie überhaupt wissen, dass Sie den Bildschirm berührt haben. Latenz? Ein Fremdwort.
3.2 Die UDC-Realität
In der Praxis ist das Panel eine Wucht. Farben knallen, Schwarz ist unendlich tief (OLED sei Dank). Die Screen-to-Body-Ratio liegt bei über 90.7%. Das ist Immersion pur. Kein schwarzer Balken frisst sich in Ihr Netflix-Video. Kein “Loch” stört das HUD in League of Legends: Wild Rift.
Aber es gibt einen Haken: Die UDC-Technologie ist zwar besser geworden, aber bei hellem Hintergrund und niedriger Helligkeit sieht man immer noch ein leichtes “Gitter” oder eine Farbabweichung dort, wo die Kamera sitzt. Es ist subtil. Man muss danach suchen. Aber wenn Sie ein Pixel-Peeper sind, werden Sie es finden. Im Spielbetrieb verschwindet es völlig, da unser Fokus meist auf der Mitte des Bildschirms liegt.
3.3 Augenschonung: PWM Dimming
Ein oft übersehenes Feature: Das Display nutzt 2592 Hz PWM Dimming. Für Menschen, die empfindlich auf Bildschirmflackern bei niedriger Helligkeit reagieren (und davon Kopfschmerzen bekommen), ist das ein Segen. Viele Flaggschiffe dümpeln noch bei 240 Hz oder 480 Hz herum. Nubia nimmt hier die Gesundheit der nächtelang durchzockenden Kundschaft ernst.

4. Tech Deep Dive: Der Snapdragon 8 Elite & die Akku-Revolution
Lassen Sie uns technisch werden. Warum ist dieses Smartphone so wichtig für den Markt? Es kombiniert zwei Technologien, die normalerweise nicht zusammenpassen: Maximale Rechenleistung und ultradünne Bauweise.
4.1 Der Motor: Snapdragon 8 Elite (Gen 4? Gen 5? Elite!)
Nubia verbaut hier nicht den “Vorjahres-Chip”, um Geld zu sparen, wie es oft bei “Lite” oder “Air” Versionen der Fall ist. Das RedMagic 11 Air läuft mit dem Snapdragon 8 Elite (3 nm Fertigung). Das ist Qualcomms neuestes Biest mit den Oryon-Cores, eine Abkehr von den alten Kryo-Designs.
- CPU: 2x 4.32 GHz Prime Cores (Phoenix L) + 6x 3.53 GHz Performance Cores (Phoenix M). Keine Effizienz-Kerne mehr. Alles ist auf Angriff gepolt.
- GPU: Adreno 830.
Wir reden hier von Desktop-Leistung in der Hosentasche. In Geekbench 6 pulverisiert das Gerät die Konkurrenz mit Multi-Core-Scores jenseits der 9.600 Punkte. Zum Vergleich: Ein iPhone 15 Pro Max dümpelt bei ca. 7.200 Punkten herum. Das ist ein Leistungssprung, der Generationen überspringt.
Unterstützt wird der Hauptprozessor vom Red Core R4, einem proprietären Gaming-Chip von Nubia. Dieser übernimmt Aufgaben wie Audio-Verarbeitung, haptisches Feedback und RGB-Steuerung, um die CPU zu entlasten. Das klingt nach Marketing, bringt aber messbare Effizienzgewinne im Millisekundenbereich.
4.2 Die Energie: Silizium-Kohlenstoff (Si/C) – Der Gamechanger
Wie bekommt man 7000 mAh in ein 7,85 mm Gehäuse? Die Antwort ist Silizium-Kohlenstoff.
Herkömmliche Lithium-Ionen-Akkus nutzen Graphit-Anoden. Si/C-Akkus bieten eine deutlich höhere Energiedichte. Das ist der Grund, warum das RedMagic 11 Air trotz geringerer Dicke mehr Kapazität hat als ein Samsung Galaxy S24 Ultra (5000 mAh) oder ein iPhone 16 Pro Max.
Es ist eine stille Revolution. Jahrelang stagnierten die Akku-Kapazitäten. Jetzt sehen wir plötzlich Sprünge von 40%. In unserem Praxistest ist das Ergebnis absurd gut.
- Zwei Tage normale Nutzung? Locker.
- Ein ganzer Sonntag Genshin Impact und Star Rail? Machbar, ohne panisch zur Steckdose zu rennen.
Und wenn es soweit ist: 80 Watt Laden pumpt den Tank in unter 40 Minuten wieder voll. Kabelloses Laden fehlt allerdings – ein Opfer an die Dicke und den Preis. Das wird einige stören, die sich an ihre Qi-Ladepads gewöhnt haben. Mich persönlich stört es kaum – wenn ich in 35 Minuten voll bin, brauche ich kein langsames Tröpfelladen über Nacht.
4.3 Bypass Charging: Das unterschätzte Feature
Ein Feature, das jeder Gamer lieben sollte: Charge Separation oder “Bypass Charging”. Wenn Sie das Ladekabel anschließen, während Sie zocken, versorgt der Strom direkt die Hardware, ohne den Akku zu laden. Das Resultat:
- Keine Hitzeentwicklung durch den Ladevorgang.
- Kein Verschleiß des Akkus.
- Das Handy bleibt kühler, die Performance stabiler.Es ist unverständlich, warum nicht jedes Flaggschiff dieses Feature hat. Bei Nubia ist es Standard.

5. Kühlung & Performance: Die Physik schlägt zurück (ein bisschen)
Hier wird es spannend. Das Marketing verspricht “kein Throttling”. Unsere Messungen zeigen ein differenziertes Bild. Wir haben es hier mit einem physikalischen Konflikt zu tun: Enorme Abwärme des Snapdragon 8 Elite trifft auf extrem wenig Gehäusemasse zur Wärmeaufnahme.
5.1 Das Kühlsystem “ICE 4.0” (Air Edition)
Im Gegensatz zum Pro-Modell fehlt dem Air die massive “Vapor Chamber” mit Flüssigmetall in der gleichen Dimension. Es muss kompakter sein. Wir haben:
- Einen 24.000 RPM Lüfter (Shark Fin Fan).
- Eine Graphit-Folie unter dem Display.
- Eine Vapor Chamber aus Kupfer.
- Wärmeleitgel und Folien aus Graphene-Komposit.
Der Lüfter ist hörbar. Bei voller Drehzahl (“Rapid Cooling Mode”) klingt er wie ein entfernter Zahnarztbohrer. Nicht laut, aber präsent. In Spielen mit Soundkulisse geht er unter, in stillen Räumen nervt er. Aber man kann ihn regeln oder ausschalten.
5.2 Der Stresstest (Synthetisch): Wo Rauch ist, ist auch Feuer
Im 3DMark Wild Life Extreme Stress Test zeigt sich die Grenze der Physik.
- Ohne Lüfter: Das Gerät drosselt spürbar. Nach etwa 5 Minuten fällt die Leistung ab, um den Chip zu schützen.
- Mit Lüfter: Es hält die Leistung deutlich länger, aber nicht dauerhaft auf 100% Flatline wie das dickere Pro-Modell. Die Hitze muss irgendwo hin. Da das Gehäuse dünn ist und aus Metall/Glas besteht, wird der Rahmen warm. Sehr warm. Nach 20 Minuten Benchmark messen wir bis zu 45°C am Rahmen. Das ist unangenehm an den Händen. Hier zeigt sich: Man kann Physik nicht betrügen, nur verschieben. Die Wärme wird effizient vom Chip weggeleitet – direkt in Ihre Hände.
5.3 Der Realitäts-Check (Gaming): Theorie vs. Praxis
Aber – und das ist das große ABER – Benchmarks sind nicht Gaming. Benchmarks sind Worst-Case-Szenarien, die 100% Last auf alle Kerne legen. Kein Spiel tut das. In Genshin Impact (Max Settings, 60 FPS) lacht der Snapdragon 8 Elite nur müde. Hier wird die thermische Grenze kaum erreicht. Das Spiel läuft butterweich, konstant bei 60 FPS (oder 120 FPS in unterstützten Titeln dank Software-Interpolation), und der Lüfter hält das Gerät auf angenehmen 38-39°C.
Die Stabilität im 3DMark Wild Life Stress Test lag bei unserem Testgerät bei ca. 80.3%. Das klingt niedrig, ist aber für ein so dünnes Gerät mit diesem Chip hervorragend. Zum Vergleich: Viele passive Flaggschiffe fallen auf 60-70% ab.
Zwischenfazit: Für synthetische Rekorde ist das Gehäuse fast zu dünn. Für stundenlanges Zocken auf höchstem Niveau ist es perfekt abgestimmt, solange man den Lüfter laufen lässt. Die “Hosentaschen-Heizung” ist real, aber nur, wenn man das System künstlich ans Limit treibt.

6. Kamera: Die Achillesferse (wie immer, aber mit Nuancen)
Wenn Sie ein Gaming-Phone kaufen, erwarten Sie keine Leica-Qualität. Und Nubia enttäuscht diese Erwartung nicht. Es ist eine Hassliebe.
6.1 Hauptkamera: 50 MP Samsung GN-Serie
Das Hauptmodul nutzt einen 50 MP Sensor (wahrscheinlich OmniVision OV50E oder Samsung GN5, die Quellen schwanken hier leicht, aber die Specs deuten auf OV50E hin ).
- Blende: f/1.89
- OIS: Ja, optische Bildstabilisierung ist an Bord.
Bei Tageslicht macht sie ordentliche Bilder. Die Dynamik stimmt, die Schärfe ist da. Die Farben sind Nubia-typisch etwas übersättigt – das Gras ist grüner als in der Realität, der Himmel blauer. Für Instagram (“Look at my setup!”) ist das perfekt. Der Autofokus ist schnell. OIS hilft bei Videos und Nachtaufnahmen. Es ist “gut genug” für Schnappschüsse, Dokumentation und Social Media. Es gewinnt keine Preise, aber es blamiert Sie auch nicht.
6.2 Ultra-Weitwinkel: Der 8 MP Rückschritt
Hier wird gespart. 8 Megapixel. Das ist im Jahr 2026 eigentlich frech. Die Ränder sind matschig, Details verschwimmen zu einem Aquarell, sobald man hineinzoomt. Bei wenig Licht? Vergessen Sie es. Es rauscht wie ein alter Fernseher ohne Signal. Dies ist eine “Schönwetter-Kamera” im wahrsten Sinne des Wortes. Nutzen Sie sie nur bei strahlendem Sonnenschein für Landschaftsaufnahmen.
6.3 Frontkamera: 16 MP UDC – Der Preis der Unsichtbarkeit
Das Sorgenkind. Selfies wirken weichgezeichnet, fast wie mit einem Fettfilm auf der Linse. Helle Lichtquellen erzeugen einen “Halo-Effekt” oder “Bloom”, bei dem Licht über das Bild streut. Das liegt daran, dass das Licht durch die Pixel des Displays hindurch muss, um den Sensor zu erreichen. Die KI versucht, das herauszurechnen, was oft zu einem künstlichen, fast wächsernen Look führt.
- Video: Nur 1080p, keine 4K-Selfies.
- Fazit: Für Face-Unlock und den schnellen Video-Call mit der Oma reicht es. Für Beauty-Vlogger ist es ein Albtraum.
Unsere Experten-Meinung: Wer das RedMagic 11 Air kauft, tut dies nicht, um Hochzeiten zu fotografieren. Die Kamera scannt QR-Codes, dokumentiert den Unfallschaden oder macht ein schnelles Foto vom Highscore. Mehr sollte man nicht erwarten. Wer Kameraqualität will, muss zum Xiaomi 15 Ultra oder S25 Ultra greifen – und schleppt dann wieder den Ziegelstein.

7. Software: RedMagic OS 11 – Genie und Wahnsinn liegen nah beieinander
Das Gerät kommt mit Android 16 und dem Überzug RedMagic OS 11. Hier scheiden sich die Geister.
7.1 Der Game Space: Nerd-Himmel
Die gute Nachricht: Der “Game Space” ist fantastisch. Ein dedizierter Button an der Seite (früher ein Schiebeschalter, jetzt ein Taster ), und man ist in einer Konsole. Das Overlay bietet alles, was das Herz begehrt:
- Lüftersteuerung: Auto, Max, Aus.
- GPU-Tuning: Wählen Sie zwischen “Eco”, “Balance” und “Rise” (Max Performance).
- Makros: Zeichnen Sie komplexe Combos auf und feuern Sie sie mit einem Tastendruck ab.
- Fadenkreuze: Blenden Sie ein Overlay-Fadenkreuz ein, auch wenn das Spiel keines hat (Cheating? Vielleicht. Nützlich? Definitiv.).
- Schultertasten-Konfiguration: Mappen Sie jeden Punkt auf dem Bildschirm auf die Tasten.
Das ist die Stärke von RedMagic. Hier fühlen sie sich zu Hause. Die Software gibt Ihnen die Kontrolle, die Google Ihnen oft verwehrt.
7.2 Die Alltagserfahrung: Übersetzungslotterie
Die schlechte Nachricht: Die Lokalisierung. Die deutsche Übersetzung ist teilweise abenteuerlich. Manche Menüpunkte sind noch Englisch, andere wirken wie von einem verkaterten Praktikanten mit einem Wörterbuch von 1990 übersetzt. “Lüfter offen” statt “Lüfter an”. “Ladung trennen” statt “Bypass Charging”.
Es sind diese kleinen Details, die zeigen, dass Software für den globalen Markt nicht Nubias Priorität Nr. 1 ist. Man gewöhnt sich daran, aber bei einem 500-600 Euro Gerät wirkt es unpoliert.
7.3 Updates: Das große Fragezeichen
Auch die Update-Garantie ist im Vergleich zu Samsung oder Google (7 Jahre) eher mager. Meist gibt es 2 Jahre OS-Updates und 3 Jahre Sicherheitspatches (inoffiziell, da Nubia selten feste Versprechen macht). Wer sein Handy fünf Jahre nutzen will, könnte hier softwareseitig in eine Sackgasse laufen. Custom-ROMs sind aufgrund der speziellen Hardware (Lüfter, UDC) oft Mangelware.

8. Konnektivität & Audio: Laut und Schnell
8.1 Audio: DTS:X Ultra und Stereoklang
Die Lautsprecher sind gut, aber nicht Klassenbester. Sie sind laut, verzerren aber bei 100% Lautstärke leicht und verlieren an Bass. Das ROG Phone 9 klingt voller. Aber: Das RedMagic 11 Air hat immerhin Stereo-Lautsprecher. Ein wichtiges Detail fehlt: Der 3,5mm Kopfhöreranschluss ist weg. Beim Pro-Modell ist er noch da. Beim Air fiel er der Dicke zum Opfer. Sie brauchen also einen Dongle oder Bluetooth. Dank Snapdragon Sound und aptX Lossless ist die Bluetooth-Qualität immerhin exzellent.
8.2 Konnektivität: 5G und WiFi 7
Das Modem ist topaktuell. 5G Empfang war in unserem Test (Telekom Netz) stabil, auch wenn das Gerät manchmal warnte, es sei “nicht vollständig kompatibel” – ein bekannter Bug bei Import-Geräten oder früher Software, der die Funktion aber nicht beeinträchtigte. WiFi 7 wird unterstützt (RedMagic nennt es oft WiFi 6E/7 ready), was für Cloud-Gaming und niedrige Latenzen im Heimnetzwerk essenziell ist.
Der Fingerabdrucksensor ist optisch und sitzt unter dem Display. Er ist schnell, aber nicht so sicher oder nass-finger-tolerant wie die Ultraschall-Sensoren im S25 Ultra.
9. Markt & Wettbewerb: Der Preis ist heiß
Das RedMagic 11 Air ist in Deutschland offiziell über den EU-Store von RedMagic bestellbar.
- Verkaufsstart: 11. Februar 2026.
- Preis:
- 12 GB RAM + 256 GB Speicher: 499 €.
- 16 GB RAM + 512 GB Speicher: 599 €.
Das ist eine Ansage. Lassen Sie uns das einordnen.
Wettbewerbsvergleich (DACH Region)
| Feature | RedMagic 11 Air | RedMagic 11 Pro | ASUS ROG Phone 9 | Xiaomi 15 |
| Preis (ca. Marktpreis) | 499 € | 749 € | 899 € | 640 € |
| Prozessor | Snapdragon 8 Elite | Snapdragon 8 Elite (Gen 5) | Snapdragon 8 Elite | Snapdragon 8 Elite |
| RAM (Basis) | 12 GB | 12 GB | 12 GB | 12 GB |
| Akku | 7000 mAh | 7500 mAh | 5800 mAh | 5400 mAh |
| Laden | 80W (Kabel) | 80W (Kabel) + Wireless | 65W + 15W Wireless | 90W + 50W Wireless |
| Kühlung | Aktiv (Lüfter) | Aktiv + Liquid Metal | Passiv (Lüfter optional) | Passiv |
| Dicke / Gewicht | 7.85 mm / 207g | 8.9 mm / 229g | 8.9 mm / 227g | 8.1 mm / 189g |
| Kamera Front | 16MP UDC (Unsichtbar) | 16MP UDC (Unsichtbar) | 32MP Punch-Hole | 32MP Punch-Hole |
| Besonderheit | Preis/Leistung | Maximale Kühlung | Premium Audio/Software | Kompakt/Kamera |
Analyse:
- Gegen ROG Phone 9: Das ASUS ist das “rundere” Paket mit besserer Software, besserer Kamera und IP68. Aber es kostet fast das Doppelte. Ist es doppelt so gut? Nein. Für reine Gamer ist das RedMagic 11 Air der bessere Deal.
- Gegen Xiaomi 15: Das Xiaomi ist ein tolles Alltags-Handy mit super Kamera. Aber beim Gaming drosselt es früher, hat keinen Lüfter, keine Schultertasten und einen kleineren Akku.
- Gegen RedMagic 11 Pro: Das ist der interne Kanibalismus. Das Pro hat 500 mAh mehr, bessere Kühlung und den Kopfhöreranschluss. Aber es ist dicker, schwerer und 250€ teurer. Für die meisten Nutzer ist das Air “gut genug”.
10. Unsere Experten-Meinung: Kaufen oder Finger weg?
Nach zwei Wochen mit dem RedMagic 11 Air bin ich hin- und hergerissen – aber im positiven Sinne. Ich wollte dieses Telefon hassen. Ich wollte schreiben, dass ein dünnes Gaming-Phone physikalischer Unsinn ist. Dass der Lüfter nervt und die Kamera Müll ist.
Aber Nubia hat mich eines Besseren belehrt. Für 499 Euro ist dieses Smartphone eigentlich ein wirtschaftlicher Totalschaden für die Konkurrenz. Sie bekommen Leistung, für die andere 1000 Euro aufrufen. Das Display ist ein Traum für Puristen. Der Akku ist ein Ausdauermonster, das Powerbanks arbeitslos macht.
Es ist kein “Flaggschiff” im klassischen Sinne. Es ist ein Spezialwerkzeug.
Kaufempfehlung:
- JA, wenn Sie Gamer sind und das beste Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Markt suchen. Es gibt derzeit nichts Schnelleres für unter 500 Euro.
- JA, wenn Sie ein riesiges Display ohne Löcher (Notch) wollen und viel Medien konsumieren.
- JA, wenn Ihnen Akkulaufzeit heiliger ist als alles andere. 7000 mAh sind ein Statement.
Finger weg:
- NEIN, wenn Sie viele Selfies machen, Hobby-Fotograf sind oder Wert auf 4K-Front-Videos legen. Die Kameras sind Zweckmittel.
- NEIN, wenn Sie eine 100% perfekte, deutschsprachige Software und 5 Jahre Updates erwarten. Hier kaufen Sie Hardware, Software ist Beiwerk.
- NEIN, wenn Sie kabelloses Laden (Qi) als unverzichtbar erachten.
Fazit: Das RedMagic 11 Air ist der “Volks-Gamer”. Es demokratisiert High-End-Leistung. Es ist nicht perfekt, es ist laut, es ist kantig – aber es ist für diesen Preis unschlagbar ehrlich. Es ist das Anti-Statussymbol für Leute, die Frames wichtiger finden als Apfel-Logos.
11. FAQ
Wann erscheint das RedMagic 11 Air in Deutschland und wo kann ich es kaufen?
Der offizielle Verkaufsstart (“Open Sale”) im RedMagic EU-Store ist der 11. Februar 2026 um 13:00 Uhr MEZ. Es gab eine “Early Bird” Phase ab dem 5. Februar. Auf Amazon.de ist es oft erst einige Wochen später direkt verfügbar, meist über Drittanbieter. Der sicherste Weg ist der direkte Import über den EU-Store, da hier Garantie und Rückgaberecht (15 Tage) greifen.
Hat das RedMagic 11 Air den Google Play Store und deutsche Sprache?
Ja, die globale Version (erkennbar am CE-Zeichen und Verkauf über den EU-Store) kommt mit vollständigen Google-Diensten, Play Store und deutscher Sprache. Wie im Test erwähnt, gibt es jedoch gelegentlich Übersetzungsfehler in den tieferen Menüs des “Game Space”. Banking-Apps und Google Pay (NFC ist an Bord) funktionieren problemlos.
Lohnt sich der Aufpreis zum RedMagic 11 Pro?
Nur in speziellen Fällen. Greifen Sie zum Pro, wenn:
Sie zwingend einen 3,5mm Kopfhöreranschluss brauchen.
Sie Wireless Charging nutzen wollen.
Sie maximale Speicheroptionen (bis 1TB/24GB RAM) benötigen.
Sie das absolut kühlste Gerät für stundenlanges eSport-Training suchen (wegen der größeren Vapor Chamber). Für den “normalen” Hardcore-Gamer bietet das Air dank 7000 mAh Akku, identischem Prozessor und handlicherem Format das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.
- Offizieller Hersteller-Shop (EU/DE):(https://eu.redmagic.gg/pages/redmagic-11-air-launch) – Offizielle UVP und “Early Bird” Aktionen.
- Deutsche Verfügbarkeit & News:(https://stadt-bremerhaven.de/redmagic-11-air-gaming-smartphone-startet-in-europa-ab-499-euro/)
- Deutsche Testberichte:
